Wenn Worte wirken (Teil II)

Schon von Beginn aller Zeiten an haben die Menschen Geschichten erzählt, um Wahrheiten „aufzubewahren“, um sie zu für ihre Nachfahren zu speichern. Diese mythischen Erzählungen waren Gleichnisse, die denen, die sie hörten, zur Orientierung dienen sollten. Um moralische Fragen zu erläutern, bewährte Verhaltensweisen weiterzugeben oder um das noch nicht ganz Bekannte zu entdecken, um dem Verstehen Sphären zu erschließen, die noch außerhalb des rationalen Verstehens liegen. Das mythisch-poetische Erzählen erschließt vor- und unbewusste Vorgänge, die man bloß mit rationaler Analyse nicht verstehen kann. Und genau hier liegt die eigentliche Stärke von Geschichten. Storytelling vermittelt nicht bloß ein paar Fakten hier, ein paar statistische Daten da, sondern ergreift den Menschen viel tiefer, in allen seinen Dimensionen, nicht nur seine verstandesmäßige Seite. Geschichten verknüpfen Ideen mit Gefühlen. Sie sprechen in Bildern und ermöglichen es so den Zuhörern, leicht und schnell auf der emotionalen Ebene einzusteigen.

Die Unterschiede zwischen beiden Vermittlungsweisen sind deutlich – und oft schon auf den Gesichtern gegenüber abzulesen. Wer stur auf Sachebene argumentiert, muss mit kritischen Blicken rechnen. Wer seine Informationen dagegen geschickt in eine Geschichte verpackt, der kann seinen Zuhörern förmlich beim Entspannen zuschauen. Sind sie im idealen Zustand der Tiefenentspannung angekommen, dann kann man in einer Art Seánce direkt auf der Ebene der Gefühle kommunizieren. Eine solche sinnliche Erfahrung ist mehr, als alle Analyse-Charts vermitteln können. Das Kino im Kopf ihres Publikums ist längst angesprungen, und Sie, als Regisseur, bestimmen die Vorstellung. Wie in einem guten Kinofilm führen Sie die Zuschauer in andere Welten – und bringen sie damit auf andere, ganz andere Gedanken. Gebannt hängt das Auditorium an ihren Lippen, folgt ihrer Geschichte und ist gespannt darauf, wie es weiter- und zu Ende geht.

 

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